Baum - Shadow of a Tree, 1993

Marble pebblestones, (3 bags) 138 cm x 180 cm x 2 cm / Marmorkieselsteine, 138 x 180cm x 2cm

I sat on a huge granite rock under a large tree, resting in the shadow in order to escape the glittering sun. As I merged with the shadow of the tree and looked at it, I was fascinated by its presence in this very moment. The tree was my shelter and the image of the shadow on the rock became a symbol of the cooling spot I found for myself. I took a photo of the shadow and carried it away with me. Two years later (in 1993) I realized a piece based on that moment and titled it "shadow of a tree". I worked with the size of the photo and dedicated a rectangle of the floor in the exhibition room for it (130cm x 180cm). I arranged white marble pebble-stones in the shape of that shadow on the floor. The piece is a sketch, a drawing. It is about my approach to my work. With my work I want to share my experience. Yet I am not interested in illustrating it or informing others about it. I want to put work out that initiates experience as a thing that one has to engage with. I am working with images in order to facilitate an engagement yet I avoid to define images, so that they do not become barriers for the mind. The rectangle in "shadow of a tree" refers to a paper size, an extract, a cut-out from a whole, a selection. The material is stone, yet pebbles of marble, glowing white. It is a natural material, naturally shaped and formed, yet extracted from a process of quarrying stone. A left-over product that you buy in bags in a garden center. The pebbles are arranged in the shape of a shadow of a tree. It is an image with material, has its own material presence. Obviously it is not a tree, but through the image, a stony shadow, it works as a sign with its own presence. The material makes it difficult to grasp the image - it even has its own subtle shadow. It is a drawing on how we perceive, how we extract, how we share, and how we let it go alone. A little sketch, not more, but it is an example for a basic question that still is part of my investigations. We are alive, move and try to understand the world around us. The different cultures are initially reflections on our surrounding, a form of nature. We move and engage with other beings. We have a sensory perception that enables us to engage with the outer world. We have languages in order to communicate, sign systems that are (more or less) agreed upon and function as a basic tool. My investigations take place in the language of drawing - as a concept - and in the language of sculpture - as a real thing. I am interested in touching people through my work, in directing an engagement that is physical and mental and hopefully changes a bit of their world.

Ich saß auf einem riesigen Granitfelsen unter einem großen Baum, Schutz suchend im Schatten, um vor der heißen Sonne zu fliehen. Während ich mit dem Schatten des Baumes verschmolz und ihn dabei ansah, war ich fasziniert von seiner Präsenz in diesem Moment. Der Baum war mein Schutz und das Bild des Schattens auf dem Stein wurde zum Symbol für den kühlen Fleck, den ich für mich gefunden hatte. Ich fotografierte den Schatten und trug diesen Moment mit mir davon.

Zwei Jahr später (1993) realisierte ich eine Arbeit basierend auf diesen Moment, der ich den Titel "Baum" gab. Die Arbeit orientierte sich an dem Format einer Fotografie und so entstand ein plastisches Bild als rechteckige Fläche auf dem Boden des Ausstellungsraumes (130 cm x 180 cm). Ich arrangierte weißen Marmorkies auf dem Boden in der Form des Schattens auf der Fotografie. Die Arbeit ist eine Skizze, eine Zeichnung. Es geht dabei um die Herangehensweise an meine Arbeit im Allgemeinen.

Mit meiner Arbeit möchte ich meine Erfahrungen teilen. Dabei bin ich nicht daran interessiert, diese zu illustrieren oder andere darüber zu informieren. Ich möchte Arbeiten ausstellen, die Erfahrung als ein "Ding" auslösen, mit dem man sich auseinandersetzen muss. Ich arbeite mit Bildern, um diese Auseinandersetzung zu erleichtern, jedoch vermeide ich diese Bildsprache zu definieren, so dass sie nicht zur Barriere fuer den Verstand wird.

Das Rechteck in "Baum" bezieht sich auf ein Papierformat, einen Ausschnitt aus einem Ganzen, eine Auswahl. Das Material ist Stein, Kieselsteine aus Marmor, glänzend weiß. Es ist ein natürliches Material, natürlich geformt und gerundet, jedoch herausgezogen aus dem Prozess der Steingewinnung. Ein übrig gebliebenes Produkt, das man vielleicht in Säcken im Gartencenter kauft. Die Kiesel sind in der Form des Schattens eines Baumes ausgelegt. Es ist ein Bild aus Material das eine eigene Materialpräsenz hat. Ganz offensichtlich ist es kein Baum, aber durch diese Bildsprache, ein steinerner Schatten, wirkt es als Zeichen mit eigener Dinglichkeit. Das Material macht es schwer das Bild zu sehen – und es hat sogar seinen eigenen Schatten.

"Baum" ist eine Zeichnung darüber, wie wir wahrnehmen, wie wir herausfiltern, wie wir teilen und wie wir Dinge sich selbst überlassen. Eine kleine Skizze, nicht mehr, aber es ist ein Beispiel für eine Fragestellung, die immer noch Teil meiner Untersuchungen ist..

Wir leben und bewegen uns und versuchen die uns umgebende Welt zu verstehen. Verschiedene Kulturen sind zu Beginn Reflektionen auf unsere Umgebung, eine Form von Natur. Wir bewegen uns und setzen uns mit anderen Lebewesen auseinander. Wir haben Sinneswahrnehmungen die es uns ermöglichen, uns mit der Umwelt auseinanderzusetzen. Wir haben Sprachen zur Kommunikation, Zeichensysteme die (mehr oder minder) einem Einverständnis unterliegen und als grundlegendes Werkzeug dienen.

Meine Untersuchungen finden in der Sprache der Zeichnung statt, Zeichnung als Konzept – und in der Sprache der Skulptur/ Bildhauerei – als eine reales Ding/Objekt. Ich bin daran interessiert andere Menschen durch meine Kunst zu berühren, dies indem ich eine physische und geistige Auseinandersetzung dirigiere, die hoffentlich ein bisschen von der Welt des Betrachters verändert.

 

Blue Moon, 2010 was exhibited at Sculpture Today: New Forces, New Forms; 2011/2012 at the Frederik Meijer Gardens & Sculpture Park in Grand Rapids, Michigan, USA
VANESSA PASCHAKARNIS, PHYSICAL ENCOUNTERS / KOERPERLICHE BEGEGNUNGEN
VANESSA PASCHAKARNIS, SHADOWS OF DOMESTICATION
Vanessa with her "Bestia Romana", 2009
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© Vanessa Paschakarnis